Ich habe gerade wieder im Internet einen Beitrag gelesen, wo heftigst kritisiert wurde, dass ein Meerie-Besitzer es zugelassen hat, dass eine Injektionsnarkose bei seinem Schweinchen gemacht wurde und keine Inhalationsnarkose...
Dazu hatte ich vor längerer Zeit mal eine Unterhaltung mit meinem Tierarzt.
Er sagte, dass viele Meerschweinchen bei der Injektionsnarkose sterben, weil es ein Lehrbuch gibt, in dem die falsche Dosierung steht und da sich noch immer viele Tierärzte daran halten, geht es eben oft daneben.
Mein Tierarzt operiert seit vielen Jahren mit Injektionsnarkose und hat dadurch noch nie ein Tier verloren.
Wenn ich dann noch daran denke, dass er Leo eine Stunde lang operiert hat und die Narkoseinjektion sogar noch einmal wiederholen musste, weil SO eine (lange und aufwendige) OP ja garnicht geplant war - dafür war der Krümel recht schnell wieder fit.
Dies ist eine der schonensten Narkosen, aber leider wird das Schmerzempfinden nicht weit genug ausgeschaltet, so dass diese Narkoseart sich eher eignet für
Untersuchungen, bei denen ein Tier ganz still liegen muss
Zahnuntersuchungen bei denen ein Spreizer eingesetzt wird
Hier handelt es sich um eine Inhalationsnarkose mit Schmerzmitteln. Diese Narkose ist schonend und je nachdem, wie tief die Operation geht, kann separat das Schmerzempfinden ausgeschaltet werden. Somit ist gewährleistet, dass das Tier keine Schmerzen hat, aber der Kreislauf wird durch die Inhalationsnarkose nicht allzu stark belastet. Dies ist besonders bei älteren oder herzkranken Tieren von Vorteil.
bei der Narkose das Lebensalter, die Vorgeschichte und die Art der Erkrankung bedenken.
das Tier in der Aufwachphase beobachten und nicht nach Hause geben, bis es wieder fit ist.
kein Tier Schmerzen ertragen lassen (den Arzt auch drauf ansprechen!).
Meloxicam (Metacam) wirkt sehr gut und kann auch recht gut dosiert werden
(1. Tag: 2x tägl. 0,1 mg/kg, danach 1x tägl. 0,1 mg/kg)
Alternativ kann Metamizol (Novalgin) gegeben werden.
Hier ein paar Dinge, mit denen der Futtergeber zum Gelingen einer OP beitragen kann. Zuerst einmal die Zeit vor der OP:
die 5 Tage vor der OP (bis auf die letzten 24 Std.) viel Vitamin-C-haltiges Futter (Paprika)
12 Stunden vor der OP nur Heu und Wasser füttern. Meeris können zwar nicht erbrechen, aber ihnen kann durchaus übel werden.
Transport des Tieres bei sehr großer Hitze: für Kühlung sorgen (bitte beachten, dass die Tiere nach der OP warm gehalten werden müssen), keine Zugluft.
Transport des Tieres bei Kälte: für Wärme sorgen (Wärmflasche, Moorwärmflasche, Dinkelkissen), keine Zugluft.
"Krankenstation" vorbereiten, in denen das Tier zumindest die ersten zwei Tage seine Ruhe hat. Einen ruhigen Partner als 'Krankenschwester' auswählen.
Ganz wichtig:
Meerschweinchen können nicht erbrechen. Sie dürfen bzw. MÜSSEN sogar bis direkt vor der OP Wasser trinken und Heu fressen!
Bei einem 'ausgenüchterten' Meeri kann es zu einer Unterzuckerung kommen. Außerdem kann es im leeren Darm zu starken Aufgasungen kommen, die zum Tode führen können.
Wenn man das Tier abgeholt hat, kann es ruhig noch ein paar Stunden im Caddy bleiben, falls es noch ziemlich benommen ist. Der Caddy hat Höhlencharakter und das Tier fühlt sich dort unter Umständen wohler. Wird das Tier lebhafter, kann man es in seine "Krankenstation" setzen.
Noch ein paar Tipps:
Nichts Frisches füttern, bevor das Tier nach der OP Heu gefressen hat.
Eine Wärmflasche oder Rotlichtlampe gibt die nötige Wärme, die das Schweinchen nach der OP benötigt. Wichtig: das Meerschwein nicht überhitzen. Es sollte sich von der Wärme entfernen können.
(Lampe nicht zu nah ans Schweinchen stellen und Wärmflasche nicht zu heiß befüllen, da sonst das Tier überhitzt wird bzw. sich verbrennt)
Trinkt das Tier nicht, kann man Traubenzucker in Wasser oder verdünntem Fencheltee auflösen und dies dem Schweinchen zu trinken geben. Gut dafür eignet sich eine Plastikspritze (ohne Kanüle!), die man seitlich ins Mäulchen schiebt.
Frisst das Tier auch ein paar Stunden nach der OP kein Heu, muss man u.U. Critical Care füttern. Rohfaseraufnahme ist wichtig für das Tier und ein leerer Magen/Darm kann zu schweren Komplikationen führen. Man sollte dann unbedingt den Tierarzt anrufen.
Das Tier nicht herumtragen bzw. ständig streicheln. Es gibt zwar ein paar Tiere, die das mögen, aber die meisten eben nicht. Ein betäubtes Tier hat kaum eine Möglichkeit ständig der Hand zu entkommen. Besser wäre, ihm einen ruhigen Partner zu geben, der für das operierte Tier 'sorgt'.
Darauf achten, dass das Tier sich nicht die Fäden der Naht aufknabbert!
In der Woche nach der OP füttere ich eine Kräutermischung aus Echinacea (stärkt Abwehrkräfte), Ringelblumenblüten (verbessert Wundheilung), Hagebutte (regt Abwehrkräfte an), Johanniskraut (Kreislaufstabilisierend)& Pfefferminz (appetitanregend).
Ich denke, es ist vor allem ganz ganz wichtig, einen Tierarzt zu finden, der sich wirklich gut mit Kleintieren auskennt! Er sollte auch erklären, was er machen will und welche Risiken eine Behandlung mit sich trägt.
Sicher kann man bei einer Behandlung oder OP nicht alle Komplikationen ausschließen (das wurde uns oft genug bewiesen), aber je mehr man weiß, umso besser ist man vorbereitet und kann schneller reagieren.
Noch ein paar Tipps zum Thema "Krankentage" kann man hier nachlesen: KLICK