Päppeln / Zwangsernährung



WICHTIG: Bei Erkrankungen der Tiere bitte SOFORT den Tierarzt aufsuchen!

Dieser Text soll der Information dienen, ist aber keine Behandlungsanleitung.
Ich habe lediglich die Ergebnisse von meinen Recherchen hier zusammengetragen.


Wie man u.a. an den Quellenangaben sehen kann, habe ich im Internet gesucht, die Meinungen und Erfahrungen von Tierhaltern, Züchtern, Tierärzten und Heilpraktikern, meine eigenen Erfahrungen sowie den Inhalt einiger Bücher zu einem (wie ich hoffe) einigermaßen verständlichen Text verarbeitet. Trotz sorgfältiger Nachforschungen kann ich jedoch keine Garantie auf Richtigkeit geben
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Wiegt ein Meerschweinchen nicht genug, frisst es zuwenig oder überhaupt nicht, muss zugefüttert/gepäppelt bzw. zwangsernährt werden.

Im günstigsten Fall frisst ein Meerschweinchen den Päppelbrei freiwillig - von einem Teller oder Löffel. Ansonsten muss mit der Spritze zugefüttert werden. Hierbei sollte man bedenken, dass jede Art von Zwang für ein Meerschweinchen auch mit Stress verbunden ist. Daher sollte man immer wieder versuchen, das Meerschweinchen zu animieren, den Brei selber aufzunehmen.

Video 4 Lili frisst vom Löffel
VIDEO / DivX /ca. 1,94 MB (bitte rechtsklicken und 'speichern unter'. Danke.)


Wichtige Hinweise

Das Meerschwein sollte stehen bzw. sitzen (NICHT auf den Rücken legen!). Die Spritze bitte seitlich ins Mäulchen stecken und nicht zu viel auf einmal geben. Nach jedem Schlückchen eine kleine Pause machen, damit das Meerschweinchen atmen kann. Wenn der Brei in die Lunge gelangt, kann es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen und das Schweinchen eventuell sterben.

Es sollten nicht mehr als 10 ml pro Mahlzeit gefüttert werden, damit der Magen nicht überladen wird. Frisst das Meerschwein überhaupt nichts, sollten pro Tag ca. 1/20 des Körpergewichts an Päppelbrei zugefüttert werden - allerdings über den ganzen Tag verteilt (ca. alle 3-4 Stunden).

Kranke und schwache Tiere brauchen mehr Vitamin C. Dieses kann man über entsprechende Mengen an Gemüse und Kräutern zuführen. Eine Liste findet man auf den Seiten der Nagerinfo. Im Notfall kann man auch Vitamin C in Tropfenform geben.

Wichtig ist, dass das Meerschwein seine Nahrung möglichst bald wieder völlig alleine in ausreichender Menge zu sich nimmt. Wenn zuviel zugefüttert wird, kann es passieren, dass es zu satt ist, um freiwillig ans Futter zu gehen. Am besten macht man die Päppelbreimenge davon abhängig, wie sich das Gewicht entwickelt und wieviel das Tier selber frisst.

Wenn ich päppeln muss, gebe ich immer ein paar Tropfen Sab Simplex (gegen Blähungen) mit in den Päppelbrei. Es schadet nicht, hilft aber, wenn Luft mit in den Darm gelangt. Ist der Darm ohnehin schon angegriffen, wird vom Tierarzt meist etwas zur Stabilisierung der Darmflora gegeben (Bene Bac, Colosan etc.).

Generell sollte man nicht länger als 3-4 Wochen ausschließlich päppeln. Das Meerschwein sollte so schnell wie möglich selbständig Heu fressen, da nur dieses den gleichmäßigen Abrieb der Zähne gewährleistet. Ansonsten können sich Zahnspitzen bilden, die dann unter Narkose abgeschliffen werden müssen. Außerdem kann sich der Kaumuskel zurückbilden, was die selbständige Futteraufnahme so gut wie unmöglich macht.


Päppelnahrung

Es werden mittlerweile diverse Päppelbreie zum Verkauf angeboten. Man bekommt sie beim Tierarzt oder im Internet.

Päppelbrei-Not-Rezept

Päppelbrei kann man auch sehr gut selber herstellen, wenn man Päppelnahrung gerade nicht im Haus hat bzw. bis sie geliefert wird:
- getreidefreie Pellets (Versele-Laga Complete Cavia)
- Heu
- Kräuter (Petersilie, Löwenzahn)
- Kümmel-Fenchel-Anis-Tee

Zutaten (mit elektr. Kaffeemaschine bzw. in der Küchenmaschine) kleinmahlen und mit dem Tee zu einem Brei verarbeiten. ABKÜHLEN LASSEN!!!


Päppelspritze

Man kann im Grunde jede Spritze (ohne Kanüle!) zum Zufüttern benutzen. Da der Päppelbrei jedoch meist schlecht durch den Konus (Öffnung) von Injektionsspritzen geht, kann man sich vom TA spezielle Päppelspritzen geben lassen. Eine andere Möglichkeit wäre, den Konus von einer 1 ml-Injektionsspritze abzuschneiden (glattschleifen!).
Eine Päppelspritze sieht so aus.
Im Gegensatz zu einer normalen Spritze ist der Konus (Öffnung) einer Päppelspritze (ganz oben) um etliches größer, was das Päppeln erleichtert.


Päppelanleitung

Wer noch unsicher ist, wie das mit dem Päppeln genau funktioniert, der findet im folgenden Film von Tavor Geithe Hilfe, wo die ganze Aktion sehr gut beschrieben ist und vor allem auch gezeigt wird:
Video Bild bitte rechtsklicken und "Ziel speichern unter" wählen (VIDEO / ca. 11,2 MB / avi)


Natur hilft heilen

Etwas Fenchel-Anis-Kümmel-Tee (verdünnt und abgekühlt geben!) wird meist gern genommen und sorgt für zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme.

Zur Appetitsteigerung kann man Traubenzuckerpulver unter das Päppelfutter mischen.

Nach Gabe von frischen Kräutern fressen Meerschweinchen oftmals schneller wieder Heu.

Die Dickmacher unter den Gemüsesorten:
- Möhren
- Knollensellerie
- Pastinaken
- Petersilienwurzel
- Steckrüben

Diese sind gute Energiespender und setzen auch recht gut an. Davon kann man ruhig etwas mehr geben, wenn das Meerschweinchen an Gewicht zulegen soll.





Ich möchte noch einmal drauf hinweisen, dass dieser Text keine Anleitung zu einer Therapie sein soll. Bitte besprecht alles, was Ihr unternehmt mit Euren Tierärzten!!!


© H. Appelhagen 16.09.2008
Letztes Update: 27.01.2024



Quellen: