Kokzidiose beim Meerschweinchen



WICHTIG: Bei Erkrankungen der Tiere bitte SOFORT den Tierarzt aufsuchen!

Dieser Text soll der Information dienen, ist aber keine Behandlungsanleitung.
Ich habe lediglich die Ergebnisse von meinen Recherchen hier zusammengetragen.


Wie man u.a. an den Quellenangaben sehen kann, habe ich im Internet gesucht, die Meinungen und Erfahrungen von Tierhaltern, Züchtern, Tierärzten und Heilpraktikern, meine eigenen Erfahrungen sowie den Inhalt einiger Bücher zu einem (wie ich hoffe) einigermaßen verständlichen Text verarbeitet. Trotz sorgfältiger Nachforschungen kann ich jedoch keine Garantie auf Richtigkeit geben
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Kokzidiose (Eimeria caviae)

Die Kokzidiose ist eine übertragbare Krankheit der Darmschleinmhaut, der Gallengänge oder der Niere. Am häufigsten kommt diese Krankheit bei Kaninchen (Kokzidiose bei Kaninchen) vor. Aber auch bei Meerschweinchen ist diese Krankheit mittlerweile keine Seltenheit mehr.


Kokzidientypen beim Meerschweinchen



Entwicklung der Kokzidiose

Kokzidien sind Einzeller, auch Protozoen genannt, die sich im Darm verschiedener Tierarten einnisten und dort die Darmzotten zerstören. Die Wirtstiere (Meerschweine) können dann die Nahrung nicht mehr richtig verdauen, nehmen immer weniger oder sogar gar keine Nährstoffe mehr auf. Daraus resultiert in den meisten Fällen heftiger Durchfall.

Kokzidien entwickeln sich in einem mehrphasigen Zyklus. Sie vermehren sich, indem sie ihren "Nachwuchs", die Oozysten in den Darm abgeben. Durch den Kot der befallenen Meerschweinchen werden diese Oozysten ausgeschieden, welche in der Außenwelt monatelang überleben. Die Übertragung und Aufnahme der Kokzidien/Oozysten erfolgt oral über Kot, Futter, Einstreu - sogar durch Bio-Produkte.

Gemüse zu waschen, hilft gegen Kokzidien nicht, weil sich trotzdem immer einige hartnäckige Keime halten können. Es reichen schon wenige aus, um ein Tier zu infizieren.

Man kann diese Endoparasiten auch bei klinisch gesunden Meerschweinchen vorfinden. Es besteht dabei ein Gleichgewicht zwischen den Parasiten und der Immunabwehr des Wirtes. Klinische Symptome findet man daher nur bei solchen Tieren, bei denen (durch Schwächung der Immunabwehr infolge anderer Erkrankungen oder Stress) sich diese Parasiten stark vermehren können.

Da ein Tier auch ohne Krankheitserscheinungen die Parasiten besitzen kann (d.h. also Träger ist), kann es unter Umständen bis zu einem Jahr dauern, ehe man überhaupt eine Infektion bemerkt. Es wird geraten, besonders dann, wenn man viele Tiere hält bzw. züchtet, in regelmäßigen Abständen den Kot der Meerschweinchen untersuchen zu lassen. Kotuntersuchungen sind nicht teuer. Wenn Kokzidien nachgewiesen werden, kann man schnell reagieren und etwas dagegen unternehmen.


Diagnosestellung

Die Diagnose erfolgt durch den mikroskopischen Nachweis der Kokzidien im Kot.
Kokzidien sind nur dann im Kot feststellbar, wenn sie gerade Oozysten (Eier) auscheiden. Das tun sie nur alle paar Tage, darum sind nicht alle Proben positiv, obwohl eine Kokzidiose besteht. Man muß bei Kokzidienverdacht immer über mehrere Tage den Kot sammeln und dann einschicken.


Behandlung

Sulfonamide sind seit Jahren bewährte Anwendungen gegen Kokzidiose, speziell weil sie beim Meerschweinchen außerordentlich gut verträglich sind.
Sulfonamide sind antibakterizide Chemotherapeutika, haben dieselbe Wirkung wie Antibiotika und werden synthetisch hergestellt. Antibiotika wirken im Gegensatz zu Sulfonamiden nicht gegen Kokzidien sondern nur gegen Bakterien. Die Darmflora der Meerschweinchen und Kaninchen werden jedoch von Antibiotika und Sulfonamiden gleichermaßen geschädigt.

Es ist bei einer Behandlung mit Antibiotika und Sulfonamiden immer zu bedenken, dass sie auch die "positiven" Bakterien im Darm abtöten und durch das veränderte Darmklima die schädlichen Bakterien im Wachstum unterstützen.

Mittel neuester Generation ist das Toltrazuril. Dieses wird 3 Tage lang gegeben, dann wird 3 Tage pausiert, damit die restlichen Kokzidien heranreifen können. Nun wird es nochmals 3 Tage lang verabreicht und danach sollten die Tiere kokzidienfrei sein.

Toltrazuril ist gegen alle bislang untersuchten Kokzidien - einschließlich Toxoplasmen - wirksam (Stand: 15.09.2007).

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Baycox 5%® ad us. vet., orale Suspension

Anwendungsgebiet: Kokzidiosen (Kokzidien)
Wirkstoff: Toltrazuril

Zusammensetzung:
Toltrazurilum 50 mg, Conserv.: E 211, E 281, Excipiens ad Suspensionem ad 1 ml
Toltrazuril ist ein symmetrisches Triazintrion mit breiter Wirkung gegen viele Kokzidiengattungen.

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Laut Aussage des Herstellers wird es wie folgt dosiert: 20 mg Wirkstoff für ein 1 kg schweres Meerschweinchen, was bei 5% Wirkstoff dann 0,4 ml pro ausgewachsenem 1kg-Schweinchen bedeuten würde.

Das Meerschwein muss IMMER vorher gewogen werden!
Danach muss man dann ausrechnen, wieviel es von der Lösung bekommen muss:
* 1200 g Meerschwein braucht 0,5 ml
* Meerschweinchen mit einem Gewicht unter 250 g und Babies bekommen generell nur 0,1 ml

Man gibt das Mittel oral (pur direkt ins Mäulchen) ein. Es tötet ALLE Entwicklungsstadien der Kokzidien im Darm ab.

Nicht das 2,5%ige verwenden, da NUR das 5%ige Baycox speziell für die orale Gabe entwickelt wurde und somit ohne Bedenken direkt eingegeben werden kann.


Hygiene

Auf Hygiene muss natürlich besonders geachtet werden. Die Einstreu muss täglich gewechselt und der Käfig gründlich gereinigt werden - besonders die Futterraufen. Bereits kochendes Wasser ist zur Inaktivierung der Oozysten ausreichend. Wirksame Desinfektionsmittel sind z. B. Kresole (Bestandteil von Desinfektionsmitteln wie z. B. Lysol, Sagrotan oder Bacillol). Man kann auch Bactazol verwenden.
Einfacher ist es, in dieser Zeit auf Pappkartons als Häuschen zurückzugreifen, da diese mühelos entsorgt werden können. Hängematten und Kuschelhäuser kann man normal in der Waschmaschine waschen, wenn man Hygiene-Spüler benutzt.

Hygiene ist natürlich ganz besonders wichtig, was die Futter-/Trinknäpfe anbelangt. Heu darf nicht vom Boden gefressen werden, sondern nur noch aus Heuraufen, da sonst die Erreger natürlich immer wieder oral aufgenommen werden, wenn verschmutzte Nahrung gefressen wird.

Auch nach Abschluss der Sulfonamid, bzw. Toltrazurilgabe wird dieses tägliche Saubermachen noch eine Woche lang durchgeführt.
Danach wird der Kot erneut untersucht, um zu erfahren, ob die Behandlung angeschlagen hat.


WICHTIG



Noch ein paar homöopathische Tipps:

Auch hier kann die Natur helfen und heilen. Ein paar Kräuter haben gute Erfolge erzielt.

Oregano kann man täglich verfüttern. Er hilft bei Darmbeschwerden, wirkt appetitanregend, verdauungsfördernd und wurde auch bei Kokzidiose erfolgreich eingesetzt. Bereits seit einigen Jahren wird Oregano als natürlicher Appetitanreger oder eine Art natürliches Antibiotikum in der konventionellen Tierhaltung eingesetzt werden.

Thymian wirkt entzündungshemmend, schleimlösend, stärkend, desinfizierend und verdauungsfördernd. Thymian hilft bei Erkrankungen der Atemorgane wie Schnupfen, Erkältungen, Bronchitis. Er hat eine natürliche Antibiotikum-Wirkung, stärkt aber gleichzeitig das Immunsystem - im Gegensatz zu den echten Antibiotika, die durch die Zerstörung der Darmflora immunschwächend wirken. Thymian sollte allerdings nur selten gegeben werden.

Getrocknete, zerbröselte Kräuter und ölige Präperate zeigen eine gute Wirkung, wenn man sie ins Nassfutter mischt.

Rezept für die Mischung:
* 6 Teelöffel Oregano
* 3 Teelöffel Thymian
* 3 Teelöffel Rosmarin

Dosierung: ½ gestr. Teelöffel unter das Futter geben.

Wenn man dies 2x wöchentlich bei großen Tieren und 1x wöchentlich bei kleinen Tieren macht, sollte man einen guten Schutz vor Kokzidiose haben.


Verwendet man Oregano-Öl ist die Dosierung bei Kaninchen 1-5 Tr. auf 10 Liter Wasser. Bei Meerschweinchen habe ich keinerlei Erfahrungen gemacht, ob das ebenso ist.


Meine bisher einzige persönliche Erfahrung, die ich mit dem Oreganoöl bei Meerschweinchen gemacht habe:
Bei Gizmo habe ich Oreganoöl (statt AB) zweimal bei schlimmen Erkältungen mit Fieber, Niesen und Schnupfen eingesetzt. Er bekam einmal täglich einen Tropfen (von mir selbst hergestelltes) Oreganoöl auf einer Scheibe Gurke serviert. Nach 24 Stunden (2malige Gabe) war das Fieber weg, er hat kaum noch geniest. Nach 3 Tagen hatte er keinerlei Symptome mehr. Insgesamt bekam er das Oreganoöl 5 Tage lang.


Ich möchte noch einmal drauf hinweisen, dass dieser Text keine Anleitung zu einer Therapie sein soll. Bitte besprecht alles, was Ihr unternehmt mit Euren Tierärzten!!!


© H. Appelhagen (29.11.2007)
Letztes Update am 12.08.2011



Quellen:



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Vielen Dank!



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